Proctoring in der Personalauswahl

Bedeutung, Optionen und unsere Lösung

In der Personalauswahl gewinnen digitale Tests und Assessments, wie etwa zur Erfassung kognitiver Fähigkeiten, Persönlichkeit, Motivation und weiterer dispositionsbezogener Merkmale, stetig an Bedeutung. Sie ermöglichen Effizienz, Vergleichbarkeit und Skalierbarkeit, durch den Einsatz an verschiedenen Orten, automatische Auswertung und schnelle Entscheidungsunterstützung. Allerdings stellen Online-Tests auch besondere Anforderungen, insbesondere in Bezug auf Fairness, Integrität und Rechtssicherheit.

Ohne geeignete Beaufsichtigung steigen Risiken wie Identitätsbetrug, Verwendung unerlaubter Hilfsmittel, Unterstützung Dritter und Manipulation. Diese Gefahren können nicht nur einzelne Testergebnisse verzerren, sondern das Vertrauen in Auswahlverfahren insgesamt mindern – bei Kandidat*innen ebenso wie bei Auftraggebern.

Um diese Probleme zu adressieren, kommt Proctoring zum Einsatz. Proctoring ist eine digitale Prüfungsaufsicht, die sicherstellt, dass Prüfende den Test unter kontrollierten Bedingungen absolvieren. In diesem Artikel wird dargestellt, warum Proctoring notwendig ist, welche Varianten und Funktionen existieren, welche Herausforderungen und ethisch-rechtliche Aspekte berücksichtigt werden müssen und wie unsere gewählte Lösung PRUEFSTER funktioniert und welchen Mehrwert sie für unsere Beratungsarbeit bietet.

Proctoring im Überblick

Was ist Proctoring?

Proctoring bezeichnet technische und organisatorische Maßnahmen, mit denen die Durchführung von Online-Prüfungen überwacht wird, um Regelverstöße zu erkennen oder zu verhindern. Dazu gehören etwa:

  • Beobachtung von Video- und Audio-Feeds
  • Bildschirmübertragung / Screensharing
  • Identitätsprüfung zu Beginn der Prüfung
  • Kontrolle des Prüfungsumfelds (z. B. Raum-Scan)
  • Aufzeichnung und nachträgliche Überprüfung von Prüfungsverläufen
Warum Proctoring notwendig ist
  1. Integrität und Gültigkeit der Testergebnisse
    Nur wenn Tester*innen die Bedingungen einhalten, lassen sich Ergebnisse zuverlässig vergleichen und interpretieren.
  2. Fairness und Chancengleichheit
    Es darf nicht sein, dass einzelne Kandidat*innen durch unerlaubte Hilfsmittel oder Unterstützung Vorteile erlangen.
  3. Vertrauen & Reputation
    Arbeitgeber*innen und Kandidat*innen erwarten faire Verfahren; auch gesetzliche und regulatorische Anforderungen können dies verlangen.
  4. Skalierbarkeit & Kostenersparnis
    Präsenzprüfungen verursachen Kosten (Räume, Anreise, Aufsichtspersonal). Online-Proctoring kann flexibler sein und logistische Aufwände reduzieren.
  5. Flexibilität & Reichweite
    Tests können orts- und zeitlich flexibler angeboten werden, was besonders in Zeiten vermehrter Remote-Arbeit und bei internationaler Reichweite wichtig ist.
Varianten & technische Ausprägungen
Tabelle über Varianten von Proctoring
Typische Funktionen und Bausteine
  • Identitätsprüfung (z. B. Ausweis + Fotoabgleich)
  • Raum-Scan / Umgebungskontrolle
  • Kamera und Mikrofonüberwachung
  • Bildschirmfreigabe / Screensharing
  • Beschränkungen des Gerätezustands (z. B. Nutzung nur eines Bildschirms, keine anderen Fenster/Programme)
  • Qualitätschecks vor Prüfungsbeginn (Testlauf, Systemcheck)
  • Aufzeichnung / Protokollierung von Bildschirm, Audio und Video (ganz oder teilweise)
  • Alarmfunktionen bei Auffälligkeiten (z. B. Blick wandert sehr oft ab, Geräusche, andere Personen im Raum)
  • Datenschutz- und Sicherheitsprozesse: Verschlüsselung, Löschung von Daten, Transparenz gegenüber Kandidaten, Speicherung auf EU/Deutschland-Servern
Chancen, Risiken & ethisch-rechtliche Rahmenbedingungen
  • Datenschutz & DSGVO: Welche Daten werden erhoben? Wie lange werden sie gespeichert? Wer hat Zugriff? Muss Biometrics eingesetzt werden? Werden Serverstandorte und Auftragsverarbeitung geklärt?
  • Akzeptanz & psychologischer Effekt: Überwachung erzeugt Stress; Kandidat*innen könnten sich beobachtet fühlen; Risiko, dass Leistung beeinträchtigt wird.
  • Bias & Gleichbehandlung: KI-Systeme können je nach Gesichtstyp, Hautfarbe etc. unterschiedliche Fehlalarme erzeugen; menschliche Proctor*innen haben subjektive Einflüsse.
  • Rechtliche Vorschriften: Nationale Gesetzgebung, Datenschutzrichtlinien, Arbeitnehmerrechte; mögliche Regelungen zu Einwilligung und Widerruf.
  • Transparenz & Kommunikation: Wichtig, Kandidat*innen früh und klar über Verfahren, Datenverarbeitung und Rechte zu informieren.
  • Technische Verlässlichkeit: Internetverbindung, Hardwareanforderungen, Backup-Pläne bei Störungen.

Unsere Lösung: PRUEFSTER

PRUEFSTER ist ein webbasiertes Proctoring-Tool, das insbesondere in Deutschland und der EU eingesetzt wird. 

PRUEFSTER arbeitet so, dass keine Softwareinstallation nötig ist – die Nutzung läuft über den Browser. Es existiert zudem eine mobile App für „mobile Streaming“.

Bei PRUEFSTER wird live durch menschliche Proctor*innen überwacht; automatisierte Gesichtserkennung oder KI-basierte biometrische Verfahren sind nicht Teil des Systems.

Funktionen & Ablauf mit PRUEFSTER

Technische Voraussetzungen & Vorbereitung

  • Kandidat*innen brauchen Laptop oder Desktop mit Webcam und Mikrofon
  • Stabile Internetverbindung, empfohlen wird in deutschen Anwendungen mindestens ca. 1 Mbit/s Upload
  • Browser (z. B. Google Chrome oder Microsoft Edge); keine zusätzlichen Programme zur Proctoring-Softwareinstallation
  • Gültiges Ausweisdokument zur Identitätsprüfung

Vor dem Beginn des Tests

  • Überprüfung der Technik: Kamera, Mikrofon etc.
  • Einwilligungserklärung der Kandidat*innen bezüglich Datenschutz und Ablauf
  • Raum-Scan, ggf. mit einem mobilen Gerät oder über die Kamera, um zu zeigen, dass keine unerlaubten Hilfsmittel oder Personen im Raum sind.

Während des Tests

  • Live-Überwachung durch geschulte Proctor*innen via Video / Audio / Bildschirmübertragung: Verhaltensauffälligkeiten werden beobachtet
  • Nutzung nur eines Bildschirms, keine anderen Programme oder Fensterwechsel; technische Grenzen und Maßnahmen, um Manipulationen zu erschweren (z. B. keine Nutzung von Mobiltelefonen etc.)

Nach dem Test / Review

  • Sollte etwas Verdächtiges auftreten, können Screenshots oder Aufnahmen ausgewertet werden
  • Löschung von Daten, die nicht zu Protokollzwecken relevant sind; klare Fristen, wenn keine Auffälligkeiten bestehen; beispielsweise Screenshots, die keine Probleme zeigen, werden nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums gelöscht

Datenschutz, Recht & Transparenz

  • Server in Deutschland bzw. EU; Datenschutz nach DSGVO
  • Kein Einsatz von KI-basierten Gesichtserkennungs-Verfahren in den üblichen Standardprozessen 
  • Einwilligung und Widerrufsrecht sowie Information der Kandidat*innen über Zweck und Umfang der Datenverarbeitung

Fazit & Ausblick

Proctoring ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um in der digitalen Personalauswahl Validität, Fairness und Vertrauen sicherzustellen. Bei guter Gestaltung – mit transparenter Gestaltung, Datenschutz, klarem Regelwerk und technisch zuverlässigem Einsatz – bietet Proctoring erhebliche Vorteile.

Mit PRUEFSTER haben wir eine Lösung gewählt, die viele dieser Anforderungen schon erfüllt: Browser-basiert, Live-Überwachung, starke Datenschutzmaßnahmen, keine invasive biometrische Gesichtserkennung, flexible Einsatzmöglichkeiten.

Für die Zukunft gilt: Technologische Entwicklungen wie KI und automatisierte Analysen werden vermutlich weiterkommen, aber wir müssen sie kritisch prüfen und nur soweit einsetzen, dass Fairness und Transparenz gewahrt bleiben. Auch neue gesetzliche Anforderungen oder Veränderungen im Datenschutz sind zu beobachten.

Insgesamt können wir mit PRUEFSTER unsere Auswahlverfahren stärken: wir erhöhen Sicherheit und Vergleichbarkeit, schützen die Integrität unserer Tests – und leisten zugleich einen Beitrag zu einer positiven Kandidatenerfahrung, wenn wir professionell, transparent und fair vorgehen.

Falls Sie mehr zu Proctoring im Rahmen unserer Testverfahren erfahren möchte, dann kommen Sie gerne auf uns zu!

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